Atommüll – aber keine „grüne Wiese“ in Obrigheim

Bericht zum Sonntagsspaziergang am Atomkraftwerk Obrigheim

Das Aktionsbündnis - Atommüll-Lager Obrigheim - hatte im November zu einem Sonntagsspaziergang zum Atomkraftwerk Obrigheim eingeladen. Eine Reihe interessierter Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung gingen mit und ließen sich von Gertrud Patan und Christine Denz, Sprecherinnen des Aktionsbündnisses, über die aktuelle Situation informieren. Nachdem zur Zeit zwei Genehmigungsverfahren laufen, war es dem Aktionsbündnis wichtig, wieder einmal die Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass das Atomkraftwerk zwar seit Mai 2005 abgeschaltet ist, dass der Atommüll aber für die nächsten Jahrzehnte hier bleiben wird und eine „grüne Wiese“ noch lange nicht zu erwarten ist.

Wie Gertrud Patan ausführte, geht es im Genehmigungsverfahren zum „neuen“ Zwischenlager um den hochradioaktiven Atommüll, d. h. um 342 abgebrannte Brennelemente aus den letzten rund 10 Betriebsjahren des AKW, die zur Zeit im „alten“ Zwischenlager“ untergebracht sind. Bei diesem Lager handelt es sich um ein Nasslagerbecken, das mit Wasser gekühlt wird, da die Brennelemente eine starke Hitze entwickeln. Das „neue“ Zwischenlager soll eine Betonhalle werden, in dem die Brennelemente in 15 sogenannten CASTOR-Behältern aufbewahrt werden. Die Kühlung soll durch einfachen Luftzug durch Lüftungsschlitze im Gebäude (Naturbelüftung) erfolgen.

Bei der Offenlegung der Unterlagen zu diesem Lager im Sommer 2008 wurden von rund 900 Menschen Einwendungen vorgebracht, in denen eine Reihe von Sicherheitsmängeln angeführt wurde. Vor allen Dingen wurde angeführt, dass es bisher weltweit kein Endlager für hochradioaktiven Müll gibt, der rund eine Million Jahre aufbewahrt werden muss, bis er nicht mehr strahlt.

Beim zweiten Genehmigungsverfahren geht es um die Stilllegung des Atomkraftwerks, das u. a. den Abbau und die Lagerung der radioaktiv verstrahlten und verschmutzten Teile in den Gebäuden umfasst. Für den Abbau der nicht-nuklearen Teile wurde bereits im August 2008 eine Genehmigung erteilt, nun läuft das Verfahren für die nuklearen Teile. Dazu wird es nach Aussage der Genehmigungsbehörde keine Öffentlichkeitsbeteiligung mehr geben, d. h. die Unterlagen werden nicht mehr offengelegt und es können keine Einwendungen gemacht werden.

Die beiden Genehmigungen sind im Lauf des nächsten Jahres zu erwarten. Dann wird es, so Christine Denz, darum gehen, zu überlegen, ob man dagegen bei Gericht Klage erheben wolle. Auf jeden Fall sei es wichtig, dass viele Menschen sich mit den Bedingungen der Genehmigungen beschäftigen und Sicherheitsmängel öffentlich machten.

Allgemein sei auch zu wenig bekannt, dass an allen Atomkraftwerken in Deutschland der Atommüll einfach neben den Kraftwerken angehäuft werde, da man keine andere Lösung habe.

Angesprochen wurde auch die Kinderkrebsstudie des Mainzer Kinderkrebsregisters, in der festgestellt wurde, dass die Leukämie-Erkrankungen von Kindern im Umkreis von 5 km von Atomkraftwerken messbar höher ist als sonst. Auch in Obrigheim ist trotz des abgeschalteten Atomkraftwerks beim Abbau der Anlagen und beim Betrieb des Zwischenlagers radioaktive Strahlung zu erwarten, das Problem sei auch hier nicht völlig vom Tisch.

Zum Abschluss gab es noch die gute Nachricht, dass von einer Renaissance der Atomenergie keine Rede sein kann, da die Zahl der in Betrieb befindlichen Anlagen weltweit abnimmt.


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