Wie darf’s denn sein? Gegrillt oder verstrahlt?

Kolumne eines Mädchens aus der Nähe des AKW-Obrigheim

Ich glaube es gibt wenige Kinder, die schon auf so vielen Demonstrationen waren wie ich. Meine Mutter ist einen strikte Atomkraft–Gegnerin und sie nahm mich seit ich laufen kann überall mit hin. So kam es, dass ich relativ schnell begriff, dass das schwarze Symbol auf gelbem Hintergrund nichts Gutes zu verheißen hat. Irgendwann hab ich begonnen, zu begreifen, um was es beim Prinzip der Kernspaltung geht und wie die Menschheit sie sich zunutze gemacht hat. Nicht nur in der Energiegewinnung, sondern auch in der Medizin.

Aber diese Technologie besitzt leider große Schattenseiten. Der Abfall der dabei entsteht ist auch in 1000 Jahren noch immer hochgiftig und strahlungsintensiv. Falls irgendwann ein neugieriger Wissenschaftler eines der bekannten gelb – schwarzen Fässer öffnen sollte, ist er sein Leben lang verstrahlt. Wer kann schon garantieren, dass die Aufschrift dann noch lesbar oder gar verständlich ist. Wir merken ja schon jetzt, wie schnell Sprache sich wandelt. Manch einer braucht für einen Goethe Text heute fast ein Wörterbuch und Goethe lebte vor gerade mal 200 Jahre. Außerdem ist noch nicht klar wo die Endlagerung des stark–radioaktiven Abfalls stattfinden soll. Ob der Salzstock Gorleben wirklich sicher genug ist, ist noch nicht endgültig beschlossen.

Die Angehörigen des Anglers, der immer viel größere Fische gefangen hat, als seine Kumpels zwei Kilometer flußaufwärts, wundern sich warum dieser an Krebs verstorben ist. “Aber ein Bezug zum nahen Kernkraftwerk ist unmöglich feststellbar! Der Reaktor ist doch sicher!” Naja, war er vielleicht mal in den 70er Jahren, in denen er mit den damaligen Flugzeugen und Waffen getestet wurde. Aber in der Rüstungsindustrie wie auch beim Flugzeugbau gilt ja glücklicherweise das Prinzip: höher, schneller, weiter (und gefährlicher?). Außerdem ist es ja unmöglich, dass der Beton verschleißt. Nein!

“Der Reaktor ist sicher und sogar umweltschonend. Sie können sich gar nicht vorstellen wieviel Tonnen CO2 auf diese Weise eingespart wurden und wie lange der Klimawandel so hinausgezögert wurde.” Na toll! Soll das die Wahl sein zwischen Pest und Cholera? Wie darf‘s denn sein? Gegrillt von der Erderwärmung oder verstrahlt? Also bitte, es bedarf zwar einiges Aufwands die Idee von erneuerbaren Energien umzusetzen, aber dafür kann man dann aus den Ressourcen so lange schöpfen, bis die Sonne aufhört zu scheinen und der Wind aufhört zu wehen. Muss ein Modul ausgetauscht werden, wird es wiederverwertet und muss nicht bis in alle Ewigkeit als Sondermüll gelagert werden. Welche Gefahren in der Atomenergie stecken, sollte nach Tschernobyl nun wirklich bekannt sein.

Wenn das nicht ein Grund ist sich gegen den schwarz-gelben “Ausstieg aus dem Ausstieg” zu wehren, dann weiß ich auch nicht weiter. Aber was ich weiß: bei der nächsten Demo trage ich stolz meinen Button: Atomkraft nicht schon wieder!


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